{"id":453,"date":"2021-02-06T19:50:11","date_gmt":"2021-02-06T19:50:11","guid":{"rendered":"http:\/\/silberpunze.1x.de\/wordpress\/?p=453"},"modified":"2021-05-13T13:03:17","modified_gmt":"2021-05-13T13:03:17","slug":"roemhild-eine-kleinstadt-bei-hildburghausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/silberpunze.1x.de\/wordpress\/?p=453","title":{"rendered":"R\u00f6mhild, eine Kleinstadt bei Hildburghausen"},"content":{"rendered":"\n<p>Kaum jemand w\u00fcrde bei der Stadt R\u00f6mhild an Gold- und Silberschmiede denken, eher verbindet man mit dieser Stadt eine T\u00f6pferei.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><th>Jahr<\/th><th>Einwohner<\/th><\/tr><tr><td>1631<\/td><td>1.400<\/td><\/tr><tr><td>1672<\/td><td>790<\/td><\/tr><tr><td>1833<\/td><td>1.582<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption>Einwohner der Stadt R\u00f6mhild in ausgew\u00e4hlten Jahren <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/c\/c1\/R%C3%B6mhild-gesangbuch.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"304\"\/><figcaption><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%B6mhild\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%B6mhild\">R\u00f6mhild Stadtansicht 1680<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/silberpunze.1x.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/image-5.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-454\" width=\"600\" height=\"343\"\/><figcaption>links: Stadtwappen R\u00f6mhild<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>So ist es eher dem Zufall zu verdanken, dass dieser kleine Beitrag \u00fcberhaupt entstanden ist, was wiederum damit zu tun hat, dass bei der Durchsicht der Kirchenb\u00fccher der St\u00e4dte Hildburghausen und Meiningen jeweils Goldschmiede in R\u00f6mhild als Paten aufgetaucht sind. So wird die  Frau Johanna Elisabetha, &#8222;Eheliebste&#8220; des Herrn Johann Wilhelm Ernesti, ein &#8222;Hof-GoldJubilier zu R\u00f6mhild&#8220; am 18.August 1768 Taufpatin bei einem Kind des Johann Daniel G\u00fcnther, Goldschmied und Handelsmann in Hildburghausen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Taufeintrag vom 26.M\u00e4rz 1699 in Hildburghausen bei einer Tochter des Justion Heydenbluth, nennt Johann Philipp Otto, &#8222;ein Goldschmied zu R\u00f6hmhild&#8220; als Paten. Der selbe  Johann Philipp Otten (Otto), &#8222;Stadt Lietonant auch Hof Gold- und Silberarbeiter zu R\u00f6mhild&#8220;, wird als verstorben genannt, als seine nachgelassene Tochter Catharina Maria am 26. Januar 1723 den Riemer Nicolaus Langheinrich heiratet.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese drei Zufallsfunde waren also der Anlass, die Kirchenb\u00fccher von R\u00f6mhild (1557-1816) zu untersuchen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ein erster Eintrag stammt vom 17.Juli 1573, als eine Tochter des Wilhem Discher Goldschmied, getauft wird.  Es ist wohl der einzige Eintrag zu diesem Goldschmied. Umfangreicher sind die Quellennachweise zum Goldschmied Jorgen Pein (auch J\u00f6rg Bein\/Peine ), vom dem  mehrere Eintr\u00e4ge vorhanden sind, so vom 27. September 1573, als er als Pate genannt wird. Weitere Patenschaften\/Taufen 1574, 1576, 1578 , 1579, 1580, 1587 &#8230; Am 8.Juli 1582 wird au\u00dferdem ein Goldschmiedegeselle Bartolomey Pein Pate und am 10.Dezember 1589 der Goldschmiedegesell Michael Franck, der am 3.Mai 1595 offensichtlich Goldschmied ist, als seine Frau Ursula Taufpatin wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Eheschlie\u00dfungen befindet sich ein Eintrag vom 13.August 1571, in dem  die Ehe von Jorg Bein, Goldschmiedegeselle von Dresden mit Veronica Sch\u00f6n, Tochter eines Handelsmanns dokumentiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Eintrag von 26.Februar 1584 nennt die Ehe von J\u00f6rg Pein, Goldschmied und Neu-B\u00fcrger allhier mit Elisabet. Ebenfalls Jorg Pein heiratet 1598 Barbara Muller, eine nachgelassene Schuhmachertochter. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Eheschlie\u00dfung seiner Tochter Margarethe am 11.Mai 1623 lebt J\u00f6rg Bein offensichtlich nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein nicht datiertes Objekt ohne Beschauzeichen, aber mit einem doppelten Meisterzeichen [P], k\u00f6nnte eine Arbeit des Meisters Jorgen Pein (J\u00f6rg Bein) sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/silberpunze.1x.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/image-6.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-455\" width=\"600\" height=\"356\"\/><figcaption>MZ: P, Jorgen Prein (J\u00f6rg Bein), nicht datiert zugeschrieben<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zu dem bereits in den Kirchenb\u00fcchern in Hildburghausen und Meiningen genannten Johann Philipp Otto findet sich in den Eheschlie\u00dfungen in R\u00f6mhild ein Eintrag vom 11.Januar 1681: &#8220; Herr Johann Philipp Otto von Northeim im Hannoverschen am f\u00fcrstl. Hoff allhier Goldschmied und Jgf. Anna Margaretha &#8230; Sch\u00f6ner &#8230;&#8220; .<\/p>\n\n\n\n<p>Johann Philipp Otto (Otte(n)), B\u00fcrger, Stadt-(Leutnand\/F\u00e4hnrich) und Goldschmied in R\u00f6mhild, entstammt wohl der Goldschmiedefamilie Otto(Otten) in Northeim und ist sicherlich ein Enkel des &#8222;aurifaber&#8220; Philipp Otten, der 1595 geboren und am 10.2.1689 begraben wurde*. <\/p>\n\n\n\n<p>Johann Philipp Otto wurde 1656 in Northeim geboren und 1669 konfirmiert**.  <br>Am 11.Januar 1681 heiratet er die Jgf. Anna Margaretha geb. Sch\u00f6ner, Tochter des Handelsmanns Friederich Just Sch\u00f6ner, die am 6.August 1703 begraben wurde. <br>Johann Philipp Otto wurde am 21.August 1713 als Goldschmied und Stadtleutnant beerdigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kindstaufen:<br>Tochter: Maria Barbara , heiratet am 4.November 1704 den f\u00fcrstl. Stadtleutnant Heinrich Sebastian Eydam<br>Tochter: Clara Maria, Taufen am 13.September 1687<br>Tochter: Maria Magdalena, gestorben am 30.Mai 1766, 72 1\/2 Jahre alt<br>Tochter: Magdalena Catharina, Taufe am 26.Dezember 1700, wird am 19.Juni 1701 begraben<br>Tochter: Catharina Maria, heiratet am 26.Januar 1723 in Meiningen Nicolaus Langheinrich ein Riemer.<br>Sohn: Johann Philipp, Taufe am 7.August 1703, er wird am 22.November 1707 begraben, Taufpate war Johann Justing Heydenblut, Goldschmied zu Hildburghausen<\/p>\n\n\n\n<p>Von Johann Philipp Otto (Otten) sind zwei datierte und eine nicht datierte Arbeit bekannt. Er nutzte dabei ein doppelt geschlagenes Meisterzeichen [PO] ligiert bzw. [iPO] ligiert, wobei eine dieser Marken von einem 1699 datierten Objekt einen Riss zeigt, so dass es sich hier auch um ein [RO] handeln k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/silberpunze.1x.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/image-7.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-456\" width=\"600\" height=\"337\"\/><figcaption>doppeltes MZ des Johann Philipp Otto, datiert 1681, zugeschrieben<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/silberpunze.1x.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/image-8.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-457\" width=\"600\" height=\"316\"\/><figcaption>doppeltes MZ des Johann Philipp Otto, datiert 1699, zugeschrieben<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/silberpunze.1x.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/image-9.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-458\" width=\"600\" height=\"321\"\/><figcaption>doppeltes MZ des Johann Philipp Otto, nicht datiert, zugeschrieben<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Arbeiten des Hof-Goldarbeiters Johann Wilhelm Ernesti lagen bis zum Erscheinen dieses Artikels noch nicht vor &#8230; oder m\u00f6glicherweise doch?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/silberpunze.freehost.ag\/Objekt\/Loeffel_1780_IWE.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"507\"\/><figcaption>L\u00f6ffel um 1780 mit MZ I\/WE und BZ &#8222;Coburger Mohr&#8220;? wohl Johann Wilhelm Ernesti<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Johann Wilhelm Ernesti heiratete am 10.April 1766 die Jgf. Johanna Elisabetha Kupitz, Tochter des verstorbenen &#8222;Hoff-Knopfmachers zu Meiningen&#8220;, Herrn Johann Kupitz. Johann Wilhelm Ernesti wird dabei als &#8222;HofJubelier bey Jhro hertzoglichen Durchlaucht der verwittweten Frauen Hertzogin zu Sachsen Coburg Saalfeld&#8220; bezeichnet. Er war der der eheliche \u00e4lteste Sohn des zu dieser Zeit verstorbenen Herrn Georg Wilhelm Ernesti, &#8222;des Raths, auch Kauff und Handelsmann in Coburg&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/silberpunze.1x.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/image-10.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-481\" width=\"600\" height=\"359\"\/><figcaption>Archion: R\u00f6mhild &gt; Kirchenbuch 1750-1768, Bild 290<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Den gleichen Vater hatte der Goldschmied Johann Philipp Ernesti (vgl. [SCHEF OFrank] Nr. 128), der als Stiefsohn des GS Johann Heinrich Gruber in Coburg eine Lehre gemacht hat. Beide waren demnach Geschwister und wurden Goldschmiedemeister. Wo und bei wem Johann Wilhelm Ernesti seine Lehre gemacht hat und ob er m\u00f6glicherweise auch in Coburg t\u00e4tig war, ist noch zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erg\u00e4nzend zum 19. Jh. sind noch der Gold- und Silberarbeiter Carl Friedrich Schickarts aus Ludwigsburg im W\u00fcrttembergischen zu erw\u00e4hnen, der am 1.Januar 1805 und am 30.Mai 1810 jeweils bei der Taufe einer Tochter erw\u00e4hnt wird. Au\u00dferdem wird der Goldarbeiter Johann Tobias Saalm\u00fcller am 31.August 1812 als Pate genannt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>*Ein Zeitungsartikel \u00fcber &#8222;Northeimer Goldschmiede in den Jahren 1650\/1700&#8220; von Dr. Hildegard Behr nennt zwar \u00f6konomische Gr\u00fcnde, warum ein junger Goldschmied diese Stadt verlassen haben k\u00f6nnte und es werden einige S\u00f6hne der dortigen Goldschmiede aufgef\u00fchrt, es fehlt aber ein Hinweis auf Johann Philipp Otto.<\/p>\n\n\n\n<p>**Quelle: Dr. Stefan Teuber, Stadtarchiv und Museum Northeim: Handschriftliche Notiz zum Geburtsjahr und dem Jahr der Konfirmation<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgewertete Quellen: (archion.de) ev. Kirchenb\u00fccher in R\u00f6mhild 1557-1816, Wolfgang Scheffler, Goldschmiede Oberfrankens<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Dank geht an Frau Schmidt und Frau A.P. f\u00fcr die Bereitstellung der Objekte bzw. Bilder f\u00fcr diesen Beitrag und an Herrn Dr. Stefan Tauber f\u00fcr die Informationen \u00fcber die Northeimer Goldschmiede<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum jemand w\u00fcrde bei der Stadt R\u00f6mhild an Gold- und Silberschmiede denken, eher verbindet man mit dieser Stadt eine T\u00f6pferei. 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