{"id":94,"date":"2016-11-20T11:34:01","date_gmt":"2016-11-20T11:34:01","guid":{"rendered":"http:\/\/silberpunze.1x.de\/wordpress\/?p=94"},"modified":"2016-11-20T17:42:42","modified_gmt":"2016-11-20T17:42:42","slug":"94","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/silberpunze.1x.de\/wordpress\/?p=94","title":{"rendered":"Die Goldschmiede von Rotenburg (Fulda)"},"content":{"rendered":"<p>Autor: <a href=\"http:\/\/www.silber-kunst-hessen.de\/\">Dr.Dr. Reiner Neuhaus<\/a><\/p>\n<p>Ausgangspunkt und Namensgeber f\u00fcr Rotenburg (Fulda) ist die Burg Rodenberg, die etwa 1150 von den Th\u00fcringer Landgrafen erbaut worden war. Obwohl schon 1212 zum zweiten Mal durch K\u00f6nig Otto IV. zerst\u00f6rt, sind ihre Reste noch heute in der N\u00e4he des Ortes zu besichtigen. Wohl zwischen 1180 und 1190 gegr\u00fcndet, wird Rotenburg erstmals urkundlich 1248 als Stadt erw\u00e4hnt und geh\u00f6rte seit 1264 zur Landgrafschaft Hessen-Kassel. 1340 wird die Neustadt als eigene Gemeinde angelegt. Erst 1607 sollten Alt- und Neustadt zu einem Ort vereint werden.<\/p>\n<figure style=\"width: 1920px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rotenburg_an_der_Fulda\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/f\/f9\/Rotenburg_Merian_1655.jpg\/1920px-Rotenburg_Merian_1655.jpg\" width=\"1920\" height=\"580\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Rotenburg auf einem Stich von Matth\u00e4us Merian von 1655 (Quelle:<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rotenburg_an_der_Fulda\">Wikipedia<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>1478 zerst\u00f6rte ein gro\u00dfer Brand die Altstadt und auch das erst 1470 erbaute erste Schlo\u00df. Schon 1528 nahm Rotenburg das lutherische Bekenntnis an. Das 1570 von Landgraf Wilhelm IV. erbaute neue Renaissance-Schlo\u00df bewohnten ab 1627 bis 1834 die Mitglieder der landgr\u00e4flichen Nebenlinie Hessen-Rotenburg (sogen. \u201eRotenburger Quart). Nach deren Erl\u00f6schen fiel 1834 das Territorium wieder an Hessen-Kassel zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Errichtung einer Schleuse durch Landgraf Moritz den Gelehrten machte ab 1601 eine geregelte Flussschifffahrt auf der Fulda m\u00f6glich. Im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg brannten 1637 sechs Soldaten des kaiserlichen Regimentes Isolani die Stadt samt Rathaus nieder.<\/p>\n<p>Der Eisenbahnanschluss brachte 1848 endlich Belebung, denn sonst hatte lediglich die Tuchmacherei eine gewisse Bedeutung. Bis 1972 Kreisstadt des gleichnamigen Altkreises, geh\u00f6rt der Ort seitdem zum Landkreis Hersfeld-Rotenburg.1, 2<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Als am 22.11.1651 die Regierung Hessen-Kassels ein Verzeichnis \u201eder im Land gesessenen Goldschmiede\u201c hatte erstellen lassen, wurde \u00fcberraschend auch ein in Rotenburg arbeitender Goldschmied genannt.3 \u00dcberraschend deshalb, weil 1648 dort nur 54 M\u00e4nner und 18 Frauen den Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg \u00fcberlebt hatten.4 Der Goldschmied muss daher ganz von Auftr\u00e4gen des landgr\u00e4flichen Hofes Hessen-Rotenburg abh\u00e4ngig gewesen sein.5 Namen, Lebensdaten und Werke von Goldschmieden sind aus dem 17. Jahrhundert nicht bekannt.<\/p>\n<p>Insgesamt neun Goldschmiede konnten durch das 18. und 19. Jahrhundert mit ihren Lebensdaten namhaft gemacht werden, aber nur von dreien blieben bisher auch Werke erhalten. Wie schon in Allendorf und sp\u00e4ter auch f\u00fcr die meisten anderen hessischen Kleinst\u00e4dte neigte das Goldschmiedehandwerk zur Bildung von Dynastien, denn f\u00fcnf der Meister entstammten der gleichen Sippe Klos(e) (Gloss, Kloss).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend von dem ersten namentlich bekannten Goldschmied Friedericus Friedrich bisher keine Arbeit aufgetaucht ist, blieben von den beiden folgenden in der Reihe, Frantz Ehrenholdt und Johann Thomas Klos(e) I, Werke erhalten. Wohl vor allem deshalb, weil sie zu Hofgoldschmieden von den Landgrafen von Hessen-Rotenburg bestallt worden waren. Lange zu gleicher Zeit t\u00e4tig, konnten selbst sie nicht ausreichend von den Auftr\u00e4gen des Hofes und lands\u00e4ssigen Adels leben. Ehrenholdt \u2013 immer wieder l\u00e4ngere Zeit abwesend \u2013 arbeitete in Posen und Lissa\/Wartheland (siehe ausf\u00fchrlich in der nachfolgenden Tabelle unter Nr. 2). Als Hofgoldschmied nicht zur Stempelung seiner Arbeiten nach Zunftregeln gezwungen, hat er von ihm in Wien gearbeitetes Kirchensilber in der Umgebung von Rotenburg vertrieben.<\/p>\n<p>Von Johann Thomas Klos(e) I hingegen lassen sich Kelche, Patenen und Brotteller vom Beginn der drei\u00dfiger bis in die f\u00fcnfziger Jahre des 18. Jahrhunderts nachweisen. Nicht erkl\u00e4rbar ist, dass sich von den folgenden vier Mitgliedern der Sippe Klos(e), die nach Heirats- und Todesdaten von 1760 bis 1830 t\u00e4tig gewesen sein konnten und dem einzigen, nicht aus dieser Familie stammenden Goldschmied, Johann Wilhelm M\u00fchlberger, Nr. 4 der Meisterliste, nicht eine einzige Arbeit erhalten zu haben scheint. F\u00fcr die Zeit um 1740 werden nur zwei steuerpflichtige Goldschmiede aufgef\u00fchrt, obwohl zu dieser Zeit eigentlich vier \u2013 den Lebensdaten nach \u2013 t\u00e4tig waren.6 Als vage Vermutung bleibt nur, dass die Mitglieder der Klos(e)-Familie alle in der Werkstatt des Gr\u00fcnders der Goldschmiedesippe Johann Thomas Klos(e) I gearbeitet und eventuell das MZ ITK weitergef\u00fchrt hatten.<\/p>\n<p>Von dem in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts t\u00e4tigen Georg Hein blieb Kirchenger\u00e4t und Bestecksilber erhalten. Es bestand erh\u00f6hter Bedarf, da nach der Annexion des Kurf\u00fcrstentums Hessen-Kassel 1866 durch Preu\u00dfen mit der nun beginnenden Industrialisierung auch in Rotenburg die Bev\u00f6lkerung zunahm, andererseits zumindest das Bestecksilber von ihm nur noch aus Halbfabrikaten der zuliefernden Silberwarenindustrie erzeugt wurde.<\/p>\n<figure style=\"width: 359px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/silberpunze.freehost.ag\/wappen\/RotenburgFulda.jpg\" width=\"359\" height=\"210\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Quelle: Wikipedia<\/figcaption><\/figure>\n<figure style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.ngw.nl\/heraldrywiki\/index.php?title=Rotenburg_an_der_Fulda\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ngw.nl\/heraldrywiki\/images\/3\/3b\/Rotenburg-fulda.hagd.jpg\" alt=\"Wappen von Rotenburg an der Fulda\" width=\"240\" height=\"333\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Quelle: http:\/\/www.ngw.nl\/heraldrywiki\/index.php?title=Rotenburg_an_der_Fulda<\/figcaption><\/figure>\n<p>Obwohl streng verboten verarbeiteten, wie in Allendorf und Eschwege, auch hier h\u00e4ufig die Goldschmiede 12l\u00f6tiges Silber. Die von ihnen selbst geschnittenen Beschauzeichen orientierten sich paradoxerweise im 18. Jahrhundert nicht so sehr an dem g\u00fcltigen Stadtwappen mit dem dreibl\u00e4ttrigen Lindenzweig (siehe Abbildung 2)7<\/p>\n<p>als vielmehr an dem w\u00e4hrend der preu\u00dfischen Herrschaft f\u00fcr Rotenburg geltenden einbl\u00e4ttrigen Wappen (siehe Abbildung 3)8, w\u00e4hrend sich Goldschmied Hein in dessen G\u00fcltigkeit ein aus drei Lindenbl\u00e4ttern gestaltetes BZ angefertigt hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anmerkungen<\/p>\n<p>1. Rotenburg (Fulda) \u2013 Wikipedia.<br \/>\n2. Stadt Rotenburg an der Fulda.<br \/>\n3. HstAM 17f V Vol I Nr. 1a, S. 63.<br \/>\n4. Stadt Rotenburg an der Fulda, a. g. O.<br \/>\n5. Die drei bedeutsamen Silberarbeiten Kelch, Patene und Hostiendose, die Landgraf Herrmann von Hessen-Rotenburg und seine Gemahlin Juliane Kunigunde 1650 St. Jacobi in Rotenburg gestiftet hatten, fertigte Goldschmied IR an, sehr wahrscheinlich Johannes Rie\u00df (Neuhaus, 36b), weniger wahrscheinlich sein 10 Jahre j\u00fcngerer Bruder Jeremias Rie\u00df, Goldschmied in Schmalkalden. Beide k\u00f6nnen sich in Rotenburg bestenfalls nur vor\u00fcbergehend aufgehalten haben (Strieder 1789, Zu Seite 14, Tab. 1-3).<br \/>\n6. Spezialbeschreibung der Stadt Rotenburg an der Fulda, S. 20.<br \/>\n7. Korn, Die hessischen St\u00e4dtewappen, jeweils Nr. 16. Das derzeit g\u00fcltige Stadtwappen geht auf eine Darstellung im Rittersaal des Schlosses von Rotenburg zur\u00fcck, das Ende des 18 Jahrhunderts abgerissen wurde. Zusammen mit den weiteren 67 Wappen wurde es in das Wappenbuch Wilhelm Wessels 1623 aufgenommen.<br \/>\n8. Sammelbuch f\u00fcr Kaffee-Hag \u2013 Wappenmarken, Deutsche Ortswappen 1, Wappen Freistaat Preu\u00dfen, Provinz Hessen-Nassau, Reg. Bezirk Kassel, S. 213.<\/p>\n<p>Ich bedanke mich bei Herrn Wilfrid Klingelh\u00f6fer (Hannover) und bei Herrn Theo Hecker (http:\/\/silberpunze.freehost.ag) f\u00fcr die Archivrecherche in den Kirchenb\u00fcchern von Allendorf (Werra) \u00fcber die Plattform \u201ewww.Archion.de\u201c sowie die \u00dcberlassung von Meisterzeichen, ohne die die Arbeit in dieser Vollst\u00e4ndigkeit nicht h\u00e4tte entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Dr.Dr. Reiner Neuhaus Ausgangspunkt und Namensgeber f\u00fcr Rotenburg (Fulda) ist die Burg Rodenberg, die etwa 1150 von den Th\u00fcringer Landgrafen erbaut worden war. Obwohl schon 1212 zum zweiten Mal durch K\u00f6nig Otto IV. zerst\u00f6rt, sind ihre Reste noch heute in der N\u00e4he des Ortes zu besichtigen. 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