Drachen“töter“ – ein Rätsel um ein Beschauzeichen

In jüngster Zeit sind mir zwei Löffel begegnet, deren Beschauzeichen viele Gemeinsamkeiten haben, so dass ich davon ausgehe, dass beide Löffel aus der selben Stadt kommen könnten.

Die beiden Löffel haben als Beschauzeichen einen Drachen, darauf stehend eine Person.

MZ: CF/S noch nicht bekannt

Der eine Löffel ist 1823 datiert und hat das Meisterzeichen (CF/S), der andere hat eine Form um die Laffe herum, die etwas an alte Löffel aus Franken aus der Zeit um 1770 erinnert. Das Meisterzeichen ist undeutlich, wohl aber (I ? / K).

Wappen der Stadt Jena
Jena
Wappen der Stadt Kahla
Kahla

Eine Überprüfung der Stadtwappen in Thüringen führt zu den Städten Kahla, mit der heiligen Margarete über einem Drachen und Jena, wo das Wappen neben den Weintrauben auch den Erzengel Michael zeigt, der über einem Drachen steht.

BZ: Marktbreit in Unterfranken, MZ: (I?/K) wohl Johann Friedrich Kämpf, oo 1.Sep.1750

Auch die norddeutsche Stadt Heide in Holstein zeigt einen Drachen und den heiligen St. Georg mit einer Lanze, ebenso die Stadt Reichenbach in Niederschlesien.

Wappen der Stadt Heide

Wappen von Dzierżoniów Wappen der Stadt Zeitz

 

Die Form der Löffel deutet aber eher auf den Raum Thüringen-Franken, weswegen ich hier meine Suche ausweiten will. In Franken hatte die Stadt Marktbreit mit heute knapp 3800 Einwohnern den heiligen StGeorg im Stadtwappen. Es hat in Marktbreit auch Goldarbeiter gegeben, wie beispielsweise Christian Gottlob Leube, der am 13.Juni 1813 in Schwäbisch Hall als Sohn eines Pfarrers geheiratet hatte.

marktbreit
Stadtwappen von Marktbreit in Unterfranken

Wahrscheinlich ist es aber Johann Friedrich Kämpf, Sohn des Johann Kämpf, beide Gold- und Silberarbeiter in Marktbreit. Johann Friedrich Kämpf heiratet in Weikersheim am 1.September 1750 die Tochter eines Pfarrers.

Eine Stadt in Thüringen mit dem heiligen StMichael im Stadtwappen ist Jena. Jena hatte als Beschauzeichen in der Mitte des 17. Jh. das (I) und später wohl ab 1675 die Weintrauben eingeführt, welches in unterschiedlichen Variationen bis ins frühe 19. Jh. verwendet worden sind. Zwar gibt es hier einen Meister Christian Friedrich Schaller, auf den die (CF/S) Marke passen könnte, dieser wurde jedoch erst am 9.12.1814 in Neustadt an der Orla geboren und er wurde erst am 5.7.1845 Bürger in Jena. Der 1823 datierte Löffel kann also nicht von ihm stammen, wenn die Datierung stimmt.

Über die Goldschmiede von Kahla ist bisher nur sehr wenig bekannt. In den Pfarrbüchern wird am 22.01.1610 die Geburt von Georg Zeidler ein Sohn des Goldschmieds und Stadtrichters in Kahla Wenzeslaus Zeidler und der Regina geb. Lange erwähnt.

Weitere Untersuchen im Stadtarchiv oder den Kirchenbüchern stehen noch aus.

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