In der Goldschmiedeforschung gibt es immer wieder spannende Entdeckungen, die man so kaum erwartet hat. Eine neue Entdeckung ist die Marke auf einem alten Petschaft der Lüneburger Böttcher mit eingravierter Jahreszahl 1590 (Museum Lüneburg, InvNr.: R.380). Im Vergleich mit einer Marke aus Braunschweig der Zeit nach 1590- 1600 (Nautiluspokal in Gestalt einer Henne im Landesmuseum Hessen-Kassel) geht deutlich hervor, dass die beiden Löwen im Beschauzeichen identisch sind (Gerd Spies führt diese Marke unter BZ: #1 und datiert sie ab 1590) . Unterschiedlich ist nur der Rand, was die Vermutung nahelegt, dass dieser zuvor bearbeitet worden ist. Durch diese Veränderung der Punze ergibt sich auch eine zeitliche Reihenfolge der Entstehung der Arbeiten bzw. Punzierung.
Die genauen Umstände der Wiederverwendung dieser Punze sind noch nicht bekannt. Hinweise (beispielsweise datierte Arbeiten aus Braunschweig mit diesem Beschauzeichen) werden gerne entgegengenommen.

Abb. links: Lüneburg mit Inschrift von 1590, Meister CH = Clawes (Klaus) Harders (erw. 1572-1606)
Abb. rechts: Braunschweig, Meister SB = Samuel Becker (1565/66 – 1601)
Eine weitere Arbeit des Samuel Becker in Braunschweig (Nautiluspokal in Gestalt eines Hahns) befindet sich im Grünen Gewölbe in Dresden. Das Beschauzeichen hat sich weiter verändert, der Rand ist noch schmaler geworden, so dass diese Arbeit wohl nach der Henne in Kassel entstanden sein dürfte.
Ein kurzer Nachtrag:
Ich möchte an den ehemaligen Direktor des Stadtmuseums in Braunschweig Gerd Spies erinnern. Er ist der Autor der drei Bände: Braunschweiger Goldschmiede. Geschichte – Werke – Meister und Marken. 3 Bände. Klinkhardt & Biermann, München 1996, ISBN 3-7814-0393-9.
Gerd Spies wurde am 5. April 1937 in Heidelberg geboren und starb am 11. Juni 2026 in Braunschweig.



